Die Katz Grotte

Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über die spannende Geschichte der Katz Grotte im Hamelner Stadtwald, dem Klüt.

 Die Geschichte der Katz Grotte

Im Jahre 1910 hat Louis Katz die nach ihm benannte Grotte erbauen lassen.
Erfahren Sie nun mehr zur Grotte und der Familie Katz!

Bei ihrem Besuch am 18. Juni 2023 in Hameln gaben Wendy Katz, Melbourne Australien und 
Prof. Dr. Florian Vaßen,  Hannover, interessante Einblicke in die Familiengeschichte.
Der Verein für Grenzbeziehung und Heimatpflege hatte eine interessante Tagestour ins Gestern und Heute von Hameln organisiert.

Unsere Gäste

Wendy Katz, Melbourne, Australien 
Urenkelin von Louis Katz

Prof. Dr. Florian Vaßen, Hannover
Urgroßneffe von Louis Katz

Unsere Mannschaft

Florian, Werner, Thomas H, Süreyya, Wendy, Paul, Sascha, v.l.
Nach Rattenfängerspiel und Stadtbummel kleine Pause unter dem Schlägerdenkmal.

Mittagsrast in der Finkenhütte, Eberhardt gibt Würstchen aus.
Eine Woche später wurde die Finkenhütte offiziell eingeweiht und das Namensschild angebracht.

Es ist sehr heiß an dem Tag. Sascha hat uns zum Finkenborn gefahren, von dort sind wir bergab über den Finkenbrunnen  Richtung Ziel gegangen.

Katz Grotte,  das Ziel erreicht.

Florian Vaßen erzählt die Geschichte der Familie Katz und der Katz Grotte.

 
Liebe Wendy, liebe anwesende Vereinsmitglieder,
 
aus gegebenem Anlass wollte ich ein paar Worte zur Familie Katz sagen, mit der ich durch die Heirat meiner Großtante Marta Dreyer, der Schwester meines Großvaters Fritz Dreyer, mit Karl Katz (12.7.1879-1969) verwandt bin; die Hochzeit fand am 4. August 1908 in Kirchohsen statt. Ich selbst bin in Hameln am 4.10.1943 geboren und habe dort bis 1958 in der ursprünglichen Wohnung von Auguste Dreyer (?-1.9.1944), meiner Urgroßmutter und Mutter von Martha Katz, in der Friedrichstr. 8 gewohnt. Im Rahmen meiner Familienforschung (und deren familieninterner Publikation unter dem Titel „Eine Berliner Chronik“) habe ich mich auch mit der Familie Katz beschäftigt.
Die frühsten Spuren, die ich gefunden habe, führen zu dem Schafmeister Cord Katz, geb. 16.2.1659, gest. 16.4.1729 in Eimbeckhausen. Mit dessen Sohn Johann Harm Katz, geb. 21.2.1692, gest. 2.5.1758, beginnen über drei Generationen die Bauernfamilien Katz in Klein-Berkel, heute ein Stadtteil von Hameln, ein Teil der Familie zog in die Stadt Hameln. Karl Katz‘ Großvater war Karl August Katz (16.11.1802-17.3.1844), Branntweinbrenner, seine Frau war Johanna Luise Karoline, geb. Radecker (Redecker?), zuletzt wohnhaft Erichstr. 15b; Karl Katz‘ Vater war Friedrich Ludwig Katz (7.2.1834-6.3.1914), in den meisten Dokumenten als Louis Katz vermerkt, seine Frau war eine geb. Rauter.
Karl Katz‘ wohnte in der Bäckerstr. 49 und wuchs in einer liberalen evangelischen Familie auf, sein Vater Friedrich Ludwig war Herrenausstatter. Karl hatte zwei ältere Schwestern, Lisa (geb. 1864), verheiratete mit dem Agenten Heinrich Brüning, wohnhaft 1914 Erichstr. 15b, und Erna (geb. 1869), verheiratete mit dem Kaufmann Erich Fritze, wohnhaft in Großhartmanndorf (Schlesien). 1895 machte Karl das Einjährige, d.h. die Mittlere Reife. Statt für das ursprünglich anvisierte Gymnasium entschied er sich für eine Kaufmannslehre in Bremen, wo er eine offene ‚Übersee-Atmosphäreʻ kennenlernte.
Vermittelt über den jüdischen Musikhändler Oppenheimer, einem Freund der Familie, ging Karl am 1. Oktober 1899 nach London und war in unterschiedlichen Firmen sehr erfolgreich; er wurde ein wohlhabender Kaufmann. Beim Tode seines Vaters 1914 wohnte er in London E.C. (Fletcher & Co, 63 Finsbury Parcman (?)). Obwohl er im ersten Weltkrieg vier Jahre interniert war und sein Vermögen verlor, war er nach dem Krieg bald erneut sehr erfolgreich und wohlhabend.

Am 12. August 1939, ca. drei Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, kehrte er nach Deutschland zurück, vermutlich damit er nicht wieder interniert würde. Meine Großtante Martha war zudem, ähnlich wie meine Großeltern Dreyer, eine überzeugte Nationalsozialistin, sie hatte eine hohe Position in der Reichsfrauenschaft und leitete deren englische Sektion. In seiner Ahnenforschung hat Julius Katz, ein Verwandter, 1938 in einer bedauerlicherweise deutlich rassistischen Publikation nachgewiesen, dass ihr Name Katz, nicht wie die große Mehrheit der Namensverwandten jüdischer Herkunft war, sondern „ein altes niedersächsisches Bauerngeschlecht“, vermutlich abgeleitet von dem germanischen Volksstamm der Chatten (Siehe Julius Katz: Die Familie Katz zwischen Süntel und Deister. Ein altes niedersächsisches Bauerngeschlecht. Leipzig: Degener 1938. Bibliothek familiengeschichtlicher Arbeiten, Bd. 10).
Karl und Martha Katz hatte zwei Söhne, Wilfried (1911-13.8.1990) und Hilbert Johann Fritz Wilhelm (10.2.1915-9.2.2005), Wendys Vater. Er wuchs in England auf, ging dort zur Schule und studierte dort, kehrte aber am 3.9.1939, kurz nach Kriegsbeginn, ebenfalls nach Deutschland zurück und machte an der Wilhelms Universität Münster seinen Doktor in Chemie. Hilbert war von England und Deutschland gleichermaßen geprägt, wie schon seine Vornamen zeigen, stand aber im Gegensatz zu seiner Mutter den Nazis kritisch gegenüber und widersetzte sich ihren Vereinnahmungs- und Anwerbungsversuchen. Ende 1944 ging er als Soldat der Deutschen Wehrmacht nicht vom besetzten Elsass nach Österreich, sondern desertierte in die Schweiz. Er war begeisterter Segelflieger, ein großer Experte im Bereich der Orchideen und bis ins hohe Alter ein wirklicher Globetrotter – er hat uns mehrmals in Hannover besucht. Vieles mehr könnte Wendy ganz sicher noch über ihren Vater erzählen.
Wendys Urgroßvater, mein Urgroßonkel, Ludwig Katz, ein angesehener Bürger der Stadt Hameln, hat, wie der „Hamelner Lokal=Anzeiger“ am 22. August schreibt, „auf Anregung seines in London verheirateten Sohnes“, also Karl Katz, 1910 einen Antrag an den Magistrat der Stadt gestellt mit der Bitte um Erlaubnis, am Finkenborner Weg eine „Katzgrotte‘“ zu bauen. Der Antrag wurde am 18. Mai 1910 mit Dank für seinen „Bürger- und Heimatsinn“ genehmigt. Bereits gut einen Monat später, am 21. Juni morgens in „aller Herrgottsfrühe“, um „6³/4“, fand im Beisein des Bürgermeisters Meyer, des Senators und Oberförsters sowie des Vereinsvorstands sowie geladenen Gästen die Einweihung durch den „Nordwestdeutschen Promenaden=Verein“ statt mit anschließender „Einladung zum Morgenkaffee“ im „Finkenborn“ durch Louis Katz, wie er in der Zeitung genannt wird. 


Louis Katz in jüngeren Jahren

Louis Katz mit seiner Frau

Metallplakette mit Motiv.
Nach Wunsch der jetzigen Familie Katz soll die Grotte restauriert werden. 
Der Verein wird diese Arbeiten organisieren. 
Spenden für die Grotte nehmen wir gerne entgegen.

Wendy hat dem Verein historische Dokumente zur Katzgrotte übergeben.
Konstruktionszeichnung der Grotte, Zeitungsbericht, Rechnungen usw.
Wir werden die Dokumente dem Stadtarchiv zur Verfügung stellen.

Originalzeichnung von 1910.

Der Ausklang des Tages fand auf der Terrasse die Klüt Hotels statt.
Es war ein sehr schöner Tag, der uns alle begeistert hat!
Viele Grüße nach Australien!